| |
In
den Hüttener Bergen in Holstein wohnte vor langer Zeit
eine große Menge von Zwergen. Im Kindelberg hat man
sie besonders häufig gehört, wie sie butterten,
und im Plätenberg bei Wittensee, wie sie miteinander
redeten. Aber als die Kirchenglocken ertönten, haben
sie alle miteinander die Gegend verlassen.
Da
zogen die Zwerge nach der Marsch zu, kamen in der Nacht an
die Hohner Fähre und wollten sich übersetzen lassen.
Die Kobolde weckten den Fährmann; als dieser aber herauskam
und niemand zu sehen war, ging er in sein Haus zurück
und wollte wieder ins Bett. Da klopften sie noch einmal und
eine Weile danach zum drittenmal an, und als der Fährmann
nun aufs neue erschien, sah er, wie es vor dem Haus drunter
und drüber ging und vor lauter kleinen grauen Leuten
nur so wimmelte.
Da
war einer unter ihnen mit einem langen Bart, der forderte
den Fährmann auf, sie alle über die Eider zu setzen;
sie könnten nämlich die Glocken und den Kirchengesang
nicht länger vertragen und wollten anderswohin.
Der
Schiffer machte die Fähre los und stellte seinen Hut
ans Ufer, wie der Kleine mit dem Bart es ihm aufgetragen hatte.
Und nun stiegen sie alle in den Prahm hinein, Männer,
Weiber und Kinder, und zwar so viele, dass der Prahm zum Bersten
voll wurde. So ging es jedesmal, sooft der Fährmann wieder
zurückkam, und er hatte die ganze Nacht nichts anderes
zu tun, als hin- und herzurudern, und immer war die Fähre
gleich voll.
|
|
| |
 |
Als
er endlich die letzten Zwerge hinübergebracht
hatte, sah er, wie das ganze Feld auf der andern Seite
von vielen Lichtern flimmerte, die durcheinander hüpften.
Die Zwerge hatten nämlich kleine Laternen mitgebracht,
die sie nun ansteckten. Am Ufer aber, vor seinem Hause,
fand der Fährmann seinen Hut ganz vollgehäuft
von kleinen Goldpfennigen. Denn jeder Zwerg hatte
beim Einsteigen einen solchen Pfennig in den Hut geworfen.
Dadurch wurde der Fährmann ein steinreicher Mann
und blieb es Zeit seines Lebens. Er bedauerte nur,
dass er kein zweites Mal Gelegenheit hatte, ein Volk
von Zwergen überzusetzen.
Quelle:
www.mein-maerchenbuch.de
|
|
|