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Es
waren zwei Seeräuber, die auf der Elbe ihr Wesen trieben,
von denen hieß der eine Klaus Störtebeker (Stürzebecher)
und der andere Göde (Götke, Godeke) Michel, die
waren zu Wasser und zu Lande gleich gefürchtet, und es
gibt von ihnen Lieder und Geschichten, ein langes und ein
breites, wie von allen berühmten Räubern. Deren
wohnten auch in der Engelsburg zwischen Niendorf, Bargenstede
und Varenwinkel bei Meldorf, und auf der Insel Sylt war ein
Seeräuber, der hieß der lange Peter. Seine Leute
trugen hübsche Abzeichen und Orden, auf einer Seite ihrer
Kleidung einen Galgen, auf der andern ein Rad, damit sie sich
öfters ihrer Sterblichkeit erinnerten. An der Insel Alsen
hängt die Halbinsel Kajnas, da hauste auch ein gefürchteter
Räuber darauf, der hieß Kai. Ein anderer hieß
Bars, der hatte die kleine Insel Barsöe inne; auf Dorf
und Schloss Schwienkuhlen bei Ahrensbök herrschte gewaltig
Peter Muggel, der plünderte zu Land, war ein Teufelsbündner,
ward erstochen und spukt noch heute. Ein anderer Land- und
Wasserräuber saß auf Schloss Weseby und hieß
Weser, dem ward endlich sein Schloss berannt und entbrannt,
und er stürzte sich von einem hohen Turme mit seiner
Schwester hernieder in die Flammen. Diese Räuber nannten
sich Vitalienbrüder.
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Den
Störtebeker brachte eines Blankeneser Fischers
schnöder Verrat samt seiner Bande in Bande. Alle
wurden nach Hamburg geführt und dort auf dem
Grasbrook geköpft, es waren ihrer nicht minder
denn siebenzig. Das Blut floss so hoch auf dem Richtplatz,
dass der Scharfrichter bis an die Knöchel darin
watete. Da riefen ihn einige Ratsherrn an: "Nun,
Meister, wie war Euch zumute bei dem vielen Köpfen?"
Der Meister mochte wohl einen guten Trunk getan haben,
er schwang sein Richtschwert hoch im Kreise überm
Haupt und rief: "Hoho, ganz wohl zumute, ihr
gestrengen Herren! Ich könnte so fort köpfen,
und es wäre mir eine Lust, wenn der ganze hochweise
Senat an meine Schneide müsste!
Solche
Antwort nahm ein hochweiser Senat der Stadt Hamburg
gar krumm und übel und missfiel ihm, und ließ
den kecken Schwätzer in Ketten legen und ihm
darauf sein Haupt abschlagen nach Spruch und Urteil.
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Da
nun die Hamburger den Störtebeker und seine Leute gefangen
hatten, durchsuchten sie sein Schiff nach Schätzen, fanden
aber nichts, und da sie nicht wollten, dass solches Raubschiff
wieder in See steche und auf dem Meere oder der Elbe sich
zeige, so verkauften sie es an einen Zimmermann als Wrack
zum Zerschlagen und zur Alltagsnutzung. Wie nun der Zimmermann
den großen Mast fällen wollte und ihn unten abzusägen
begann, da stieß er auf etwas Hartes, davon der Säge
die Zähne stumpf wurden, und siehe da, das Innere des
Mastbaumes war Metall, eitel Kupfer. Der Zimmermann zeigte
seinen Fund beim Magistrat an, und dieser unterzog nun den
Dreimaster näherer Untersuchung. Siehe, da war der größte
Hauptmast innen von gediegenem Kupfer, der zweite von Silber,
der dritte von Gold, das war ein guter Fang, und in den Rahen
und Bramsegelstangen steckte auch noch allerlei Gutes gut
verborgen. Der Zimmermann ward reichlich belohnt, und aus
dem Golde wurde eine Krone verfertigt, die reichte um den
Sankt-Katharinen-Turm herum, so groß war des Goldes
Fülle. In der Franzosenzeit und -herrschaft, an welche
Hamburg nur mit einem Fluche denken kann, solange es steht,
ist auch dieser Goldschatz vom Feinde genommen und vermünzt
worden. Auf Jasmund in Rügen hatten Störtebeker
und Göde Michel tiefe Höhlen. Noch werden in Hamburg
vier Richtschwerter gezeigt, mit denen diese beiden und ihre
ganze Bande enthauptet wurden.
Quelle:
Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853
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