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Auf
der Burg in Dahme lebte vor vielen hundert Jahren ein mächtiger
und reicher Graf. In seiner Jugend zog er einst mit dem Kaiser
auf einen Kreuzzug ins Heilige Land. Dort brachten ihm seine
Reitersknechte eine junge Sarazenin, die sie gefunden hatten.
Der Graf aber schenkte ihr die Freiheit. Zum Dank gab sie ihm
ein Kästchen. Darin waren ein Goldpfennig und ein Eisenpfennig.
Sie sagte: "Hebe das Kästchen gut auf. Den Goldpfennig
gib nur aus, wenn du ein großes Unglück abwenden
kannst. Ist aber der Goldpfennig einmal fort, so darfst du dich
von dem Eisenpfennig nicht mehr trennen, sonst wird das Unglück
noch größer."
Nach
Jahren kam der Graf wieder in seine Heimat zurück. Da
war sein Töchterchen inzwischen zu einer schönen
Jungfrau herangewachsen. Das Mädchen war jedoch von einem
bösen Zauber befallen. Es tobte jede Nacht, schrie und
zerschlug alles, was in seine Hände kam. Der Graf grämte
sich sehr um sein Kind und ließ viele berühmte
Ärzte kommen, aber keiner konnte es gesund machen. Die
Krankheit wurde immer ärger. Und schließlich musste
er die Tochter aus der Burg schaffen lassen. Draußen,
weit vor der Stadt, im Walde, ließ er für sie ein
Häuschen bauen. Darin wohnte sie mit einer Dienerin und
einem alten, treuen Knecht.
Nun
begab es sich, dass eines Tages ein armer, fahrender Musikant
auf dem Dahmer Burghof aufspielte.
In der Knechtestube wurde ihm eine gute Mahlzeit gereicht.
Beim Essen erzählten ihm die Knechte von der unglücklichen
Grafentochter. Da ging der Musikant zum Grafen und sagte:
"Ich will Eure Tochter gesund machen, wenn Ihr mir einen
Wunsch erfüllt, den ich Euch übers Jahr sagen will,
wenn ich wiederkomme."
Das sagte der Graf gern zu. Dann erbat sich der Musikant die
kleinste Goldmünze, die in der Burg zu finden war. Es
waren aber nur große Goldgulden da. Da fiel dem Grafen
das Kästchen aus dem Morgenland ein und der Goldpfennig,
der darin lag. Er musste auch an die Worte der Sarazenin denken.
So konnte er den Goldpfennig gern hingeben, um das Unglück
von seiner Tochter abzuwenden. Schnell holte er das Kästchen
und gab dem Musikanten den kleinen Goldpfennig. Dieser aber
stieg damit auf den höchsten Turm der Burg und warf ihn
mit mächtigem Schwung durch die Luft gegen Abend, wo
eben die Sonne untergehen wollte.
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Nun
war große Freude in der Dahmer Burg. Die Grafentochter
aber wollte nicht mehr in die finstere Burg zurückkehren.
Es gefiel ihr draußen im Walde viel besser. Da ließ
ihr der Graf dort draußen ein kleines, prächtiges
Schloss bauen, das hieß Güldenpfennig.
Ein
Jahr darauf kam der Spielmann wieder und forderte seinen Lohn
vom Grafen. "Gib mir deine Tochter zur Frau", sagte
er. Der alte Graf erschrak sehr. Einen armen Musikanten sollte
seine Tochter heiraten? Da schämte er sich. So bot er
ihm viel Gold und schöne Pferde an, damit der Musikant
von seinem Wunsche lasse. Der aber bestand darauf, dass der
Graf sein Versprechen einlösen solle. Da wurde der Graf
zornig und ließ den Musikanten aus der Burg jagen. Im
andern Jahr aber vermählte er seine Tochter mit einem
reichen, jungen Edelmann aus dem Thüringer Land.
Am
Hochzeitstage erschien der Spielmann wieder in der Burg und
spielte ein lustig Stücklein auf dem Burghof. Es war
indessen niemand in der Burg als eine alte Dienerin, denn
alle übrigen waren draußen im Schloss Güldenpfennig,
wo die Hochzeit gefeiert wurde. Die Dienerin suchte nach einem
kleinen Geldstück, das sie dem Musikanten für sein
Spiel schenken konnte. Endlich fand sie ein Holzschächtelchen.
Darin lag eine kleine eiserne Münze. Die gab sie dem
Musikanten. Der aber stieg mit dem Eisenpfennig auf den Burgturm
und warf ihn mit großem Schwung in die Richtung gegen
Abend. Er flog klirrend an die Wetterfahne von Schloss Güldenpfennig.
In dem Augenblick erscholl ein furchtbarer Donnerschlag, und
das Schloss mit der Hochzeitsgesellschaft sank in die Tiefe.
Die Stelle aber, wo das Schloss versank, heißt noch
heute Pfennig-Pfuhl.
Quelle:
www.mein-maerchenbuch.de
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