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Der
Matjeshering |
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Begriff Matjes - im Volksmund auch jungfräulicher
Hering genannt - kennzeichnet das alljährlich wiederkehrende
Stadium der Heringe vor der Fruchtbarkeitsphase. Jetzt
im Frühjahr vermehrt sich das frei im Wasser schwebende
Plankton fast explosionsartig. Die vom Winter abgemagerten
Heringe entwickeln nun einen gesegneten Appetit und sind
zum Sommeranfang prall gefüllt mit wertvollen Nähr-
und Aufbaustoffen. Zu diesem Zeitpunkt nennt man den Hering
Matjes, noch bevor sich Milchner (männl.)
und Rogen (weibl.) ausgebildet haben. Er ist jetzt
besonders fett und zart! |
| Der
in dieser Ernährungsphase hohe Gehalt an Eiweiß,
hochungesättigten Fettsäuren und Vitalstoffen
erklärt, weshalb der Matjes besonders gesund und
bekömmlich ist. Er hat viele wertvolle Stoffe, die
gut für die Pumpe sind, auf das ganze
Wohlbefinden positiv wirken und obendrein fit machen.
Wissenschaftlich heißen diese Fitness-Fette mehrfach
ungesättigte oder Omega-3-Fettsäuren.
Sie werden von unserem Körper einfach und vorteilhaft
aufgenommen und können so ihre positive Wirkung entfalten. |
| Omega-3-Fettsäuren
sind wahre Wundermittelchen. So helfen sie, Herzprobleme
zu vermeiden, bekämpfen aggressive Substanzen im
Körper und halten uns rundherum fit. Somit ist auch
der Matjes ein leckerer Weg, sich richtig und damit im
besten Sinne gut fürs Herz zu ernähren. Kombiniert
mit vielen guten Sachen, wie Gemüse und Salat, ist
Matjes also ein echter Fittmacher und sein Fett ein wichtiger
Baustein für unser Wohlbefinden. |
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| Doch
was der Kenner am Matjes schätzt, beruht nicht allein
auf den gesundheitlichen Vorzügen. Die milde Salzung
und eine längere Reifung, die früher bereits
während der oft monatelangen Fangreisen an Bord begann,
haben besonderen Einfluss auf den kulinarischen Wert des
Endproduktes. Die im Margen- und Darmtrakt vorhandenen
Enzyme der mit einem Kehlschnitt geöffneten
Heringe sorgten dafür, dass das Fleisch reifen und
den für den Matjes typischen Geschmack sowie das
charakteristische Aroma entwickeln konnte. |
| Diese
Art des Reifens der ganzen, gekehlten Heringe ist heute
wegen der gestiegenen Personalkosten an Bord der Schiffe
nicht mehr möglich. Man kann sie zwar auch an Land
nachvollziehen. Doch setzt sich die Filetreifung immer
mehr durch. Sie bringt entscheidende Vorzüge: |
| a)
Der Magen- und Darminhalt wird vorher entfernt. In der
Lake reift nur das Fleisch. |
b)
Die vorherige Kontrolle des Filets erlaubt eine restlose
Aussortierung der von Nemathoden
(Fadenwürmer)
befallenen Heringe. |
| Die
Wirkung der Fermente aus dem Magen- und Darmtrakt übernehmen
heute biologische Enzyme, die aus tierischen Organen und
Pflanzen gewonnen und dann in besonderen Kulturen gezüchtet
werden. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, muss die Ware
mindestens 8 Wochen reifen. |
| Die
Entwicklung der biologischen Filetreifung bei Matjes hat
nicht nur einen besseren hygienischen Standard geschaffen.
Vor allem aber brachte die neue Technologie die Voraussetzung,
die Saisonbindung des Matjes zu überwinden. Als ganzjährig
verfügbare Delikatesse erzielt der einstige Pfennigartikel
von Jahr zu Jahr steigende Umsätze. |
| In
den letzten Jahren wurden immer wieder neue Matjes-Variationen
entwickelt und ausprobiert. Salz und Zucker in ausgewogener
Mischung, Rote Bete und 6-8 Wochen Reife im Fass verordnete
man zu Störtebekers Zeiten dem Matjes. An dieses
Rezept hat man sich heute wieder erinnert und einmal pro
Tag wird das Fass kräftig geschüttelt, damit
sich die Zutaten gut vermengen. Das Ergebnis: Ein weinroter
Matjes, der so schmeckt wie er aussieht und leicht und
bekömmlich ist. Im Handel ist er als Störtebeker
Matjes erhältlich. |
| Nachfolgend
eine Auflistung der bei uns bekanntesten Matjesfilet-Varianten: |
Original
Holländische Doppelfilets
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besonders
mild, handfiletiert |
Original
Holländische "Primtjes"
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ganz
kleines, wenig gesalzenes Doppelfilet |
Störtebeker
Matjesfilets
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leicht
gezuckert, natürlich gereift, rötlich |
Matjesfilets
"Barbarossa"
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roséfarben,
speziell gewürzt, handfiletiert |
Friesländer
Kräutermatjes
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würzig
gekräutert und sehr zart |
Holsteiner
Matjesfilets
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besonders
groß, mild und zart |
"Smoky",
aalgeräucherte Matjesfilets
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natürlich
gereift, milder Rauchgeschmack |
"Brados"
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auf
Buchenholz kalt geräuchert, mit Haut |
| Glückstädter
Matjes, Husumer Matjes usw. sind regionale Spezialitäten. |
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Literatur:
"Hering & Co.", Marion Kiesewetter,
Verlag Zabert-Sandmann
" Das Heringsbuch", Ingo Taubert, Matthes
Verlag
"Das große Buch vom Fisch", Gräfe
und Unzer Verlag |
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