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Die Fledermaus
Sind Fledermäuse fliegende Mäuse?
 
Fledermäuse sind - ebenso wie Mäuse - kleine Säugetiere. Innerhalb der Klasse der Säugetiere aber sind Fledermäuse und Mäuse nicht besonders nahe verwandt. Die einen gehören mit den Flughunden zur Ordnung der Fledertiere, die anderen mit Hamster, Meerschweinchen und Co. in die der Nagetiere.
Die Fledermäuse sind evolutionsgeschichtlich gesehen mit uns Menschen näher verwandt als mit den Mäusen! Zoologische Systematiker würden, um die Verwandtschaft zu belegen, Merkmale ins Feld führen wie das brustständige Zitzenpaar und den frei hängenden Penis, die Primaten und Fledertiere gleichermaßen aufweisen.
Während die meisten Mäuse ein, zwei Jahre leben und dafür alle paar Wochen auf Teufel komm raus Jungtiere werfen, können Fledermäuse in Extremfällen über 25 Jahre alt werden. Erst nach einem Jahr sind sie geschlechtsreif und bekommen pro Jahr nur 1 Junges.
Ihr für so kleine Säugetiere erstaunlich langes Leben prädestiniert sie zu lernfähigen, individuellen Traditionstieren, die jeden Winter, Sommer und Herbst am gleichen Platz verbringen.
 
Anatomie:
Schauen wir ihnen ins Gesicht und wir erblicken zwei kleine schwarze Knopfaugen. Viel wichtiger und auch viel größer sind die Ohren. Fledermausohren sind ausgesprochen beweglich. Dass sich die Fledermaus ihre leckere Beute mit den Ohren anschaut, haben wir bereits an anderer Stelle beschrieben. Nun schauen wir dem Fledertier ins Maul! Dort verraten kleine, spitze Zähnchen, bereit und geeignet, Insektenpanzer aus Chitin zu knacken, die Anpassung europäischer Fledermäuse an ihre Insektennahrung. Fledermäuse anderer Kontinente bevorzugen teilweise eine herzhaftere Nahrung. Darauf gehen wir auf einer anderen Seite noch näher ein.
Wenden wir uns nun den Flügeln zu. Diese sind zwischen Armen und Beinen der Fledermaus aufgespannt. Die Hände sind fast völlig in den Flügel integriert; sie spannen die so genannte Handflughaut auf. Lediglich der Daumen schaut krallenbewehrt und frei beweglich aus der Flughaut heraus. Er dient der Fledermaus z.B. beim Herumklettern in ihren Tagesquartieren. Die übrigen 4 Finger sind relativ lang und tragen wesentlich zur Breite des Flügels bei. Zwischen dem fünften Finger und der Körperseite des Tieres liegt die Armflughaut. Um die Flügel zu spannen, streckt eine fliegende Fledermaus Arme und Beine ab. Um Auf- und Vortrieb zu erhalten, schlägt sie die Flügel ausgebreitet nach unten.
Mit dem Flügel führt die Hufeisennase ihre Beute zum Maul.
Ihre Zehen sind frei und krallenbewehrt. Eine Wasserfledermaus zum Beispiel ergreift mit ihnen die Beute. Das Ergreifen mit den Füßen ist aber eher eine Ausnahme. Für die meisten europäischen Fledermausarten ist der „Kescherfang“ typisch: Zwischen Körper und Beinen wölbt sich die Schwanzflughaut wie ein Insektennetz und keschert die Beute ein. Die Fledermaus muss sie dann nur noch mit dem Maul herausgreifen - natürlich alles im Flug.
Ein Leben kopfüber
Die kräftigen Füße taugen nicht nur zum Beutefang, sondern auch und vor allem zum Festhalten. So lässt es sich gut kopfüber hängen. Dank eines Haltemechanismus braucht die Fledermaus dazu keine Muskelkraft sondern kann anstrengungslos hängen - auch einen ganzen Winterschlaf lang. Selbst tote Fledermäuse werden noch hängend gefunden!
Breitflügelfledermaus
Winterschlaf
Wenn die Fledermaus schläft, hängt der Kopf gerade nach unten. Ist sie aber wach und aufmerksam, so biegt sie den Kopf nach oben hinten und "besieht" sich ihre Umwelt mit Echoortungslauten.
Man mag sich wundern, warum der Fledermaus so kopfüber hängend nicht schlecht wird oder das „Blut in den Kopf läuft“. Diese Angst ist unbegründet und ein bisschen zu menschlich.
Das Problem liegt eher andersherum: Uns Menschen droht das Blut in die langen Beine zu sacken und nur mit gewissem physiologischem Aufwand kommt es zum Herzen zurück.
Aus den Fledermausbeinen fließt das Blut schon Dank der Schwerkraft zum Herzen zurück und nur auf der 2 cm kurzen Strecke zwischen Kopf und Herz muss gegen die Schwerkraft gearbeitet werden.
Warum überhaupt hängen Fledermäuse kopfüber? Hier muss man ehrlicherweise sagen: man weiß es nicht. Vielleicht ist das Hängen die sicherste Strategie, um einen sicheren Platz am Höhlendach besetzen zu können. Sitzplätze auf Gesimsen sind natürlich seltener als Hängeplätze am Höhlendach.
     
Die Fledermaus
Verwendete Literatur:
"Die Junior-Bibliothek - Fledermäuse"
Gerstenberg-Verlag
"Fledermäuse"
Das Praxisbuch
BLV-Verlagsgesellschaft
Mit den Ohren sehen
Leckermäuler
Wohnungen
Schutzmaßnahmen
Link zu einer Bauanleitung für einen Fledermauskasten
 
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Aktualisiert: 30.07.06
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© H.-J. Peters
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