Lehrerin in Ausbildung vom 21.08.06 - 20.07.2008
Meine Ausbildungszeit an der Grundschule Göhl

Erstes Kennenlernen der neuen Schule und Kollegen

Bereits vor meiner letzten Prüfung zum 1. Staatsexamen in Flensburg bekam ich vom Ministerium die Mitteilung, dass ich nach den Sommerferien an der Grundschule Göhl in Ostholstein meine 2. Ausbildungszeit beginnen konnte. Ich setzte mich sofort an meinen Computer, um über das Internet herauszufinden, wo Göhl eigentlich liegt. Ich vermutete bereits, dass es sich um eine kleinere Ortschaft handelte. Diese Erwartung wurde noch untertroffen. Da ich aber selbst ein „Dorfkind“ bin, wusste ich, was mich in einer kleinen Dorfschule erwartete. Bei der weiteren Recherche stieß ich auf die Homepage der Grundschule Göhl (www.gsgoehl.de). Dieser Internetauftritt hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck (Wow – ein großes Lob an Achim und Barbara Peters!). Ich bekam eine Vielfalt an Eindrücken auf dieser Seite zu sehen: zahlreiche Fotos der einzelnen Klassen, erste optische Eindrücke meiner zukünftigen Kolleginnen, Informationen zur Schule, und vieles mehr… Somit konnte ich mir bereits vor dem ersten Kennenlernen vor Ort ein positives Bild von der Schule machen.

Erste Treffen
 
Die ersten Tage und Wochen im Schulalltag
Die folgenden Treffen mit der Schulleiterin Bettina Böhme, sowie mit meiner Ausbildungslehrkraft Barbara Peters weckten in mir die Vorfreude auf meine Ausbildungszeit an dieser Schule. Des Weiteren wurde ich mit wenigen Stunden an der Kooperationsschule in Grömitz für das Fach Evangelische Religion eingeteilt. Obwohl mir bewusst war, dass ich als Grund- und Hauptschullehrerin ausgebildet werde, freute ich mich sehr darüber, zum größeren Teil an einer Grundschule tätig werden zu können.
Die Planung und Durchführung des Unterrichts machte mir von Anfang an sehr viel Spaß, obwohl sie viel Zeit in Anspruch nahm. Sehr oft war ich dadurch gezwungen, bis in die späten Abendstunden Unterrichtsstunden vorzube-reiten, Material herzustellen und zu basteln, Arbeitsblätter zu erstellen und vieles mehr. Fast immer wurde dieser Einsatz belohnt, was sich zum einen durch den Spaß am Lernen bei den Kindern und zum anderen durch meine eigene Sicherheit im Unterricht zeigte .
Mit meiner Ausbildungslehrkraft traf ich mich vor den Sommerferien, damit sie mir vorab Informationen zu den Schülerinnen und Schülern und zum Lernstoff der einzelnen Klassen geben konnte. Somit konnte ich mich gut auf die ersten Schulwochen vorbereiten. Ich war im Schuljahr 2006/2007 für den Mathematikunterricht in der 2. Klasse eingeplant, sowie für eine Wochenstunde in der dritten Klasse. Religion sollte ich in Klasse 1, 2 und 3 einstündig, sowie in einer 7. Hauptschulklasse in Grömitz zweistündig unterrichten.
Positiv vernahm ich, dass es an der Grundschule keine feste Klingel gibt. Nach den Pausen läutet die aufsichtführende Lehrkraft mit einer Handklingel zur Stunde. Dies spiegelt eindrücklich den Charakter der kleinen Dorfschule in Göhl wider.
Mathematik 2. Klasse – Das kleine Einmaleins
Traumbedingungen fand ich in der Klasse meiner Ausbildungslehrerin Frau Peters, der Klasse 2, die ich vierstündig in Mathematik und einstündig in Religion unterrichtete, vor. Die leistungsstarke Klasse war offenen Unterricht gewohnt, nahm neue Methoden interessiert auf und konnte die Arbeit und Leistungen der Lehrkräfte wertschätzen.

Aus einem Wahlmodul entnahm ich zahlreiche Ideen für die Einführung und Übung des kleinen Einmaleins in der 2. Klasse. Das Kennenlernen der Multiplikation sollte über alle Sinneskanäle erfolgen, damit die Schülerinnen und Schüler die Bedeutung dieser Operation erfahren und Bilder als Verständnisgrundlage aufbauen können. In diesem Sinne gestaltete ich die Einführung des kleinen Einmaleins auf der Grundlage der Anregungen aus dem Modul: die Kinder klatschten und hörten Aufgaben, fühlten mit verbundenen Augen Aufgabenbilder, rechneten mit Alltagsmaterialen und vieles mehr. Während der Unterrichtseinheit wurde mir die Bedeutung der Einführung über alle Sinne stets vor Augen geführt. Besonders Kindern, die sich die Operation der Multiplikation nur schwer vorstellen konnten, half die Aufnahme über alle Sinne.

Im Schuljahr 2007/2008 unterrichtete ich weiterhin die inzwischen 3. Klasse in Mathematik (fünfstündig) und Religion (einstündig). Des Weiteren übernahm ich den Mathematikunterricht der 4. Klasse mit vier Wochenstunden. Religion erteilte ich zweistündig in der 1. Klasse.
Bewegter Religionsunterricht im ersten Schuljahr
 
Fermi-Aufgaben - Sachrechnen einmal anders
In dieser ersten Klasse konnte ich insbesondere meine Methodenkompetenz bedeutend erweitern, indem ich Elemente des Bewegten Religionsunterrichts von Elisabeth Buck zunehmend integrierte. Die Schülerinnen und Schüler zeigten viel Spaß an Methoden, bei denen sie ihren Körper, ihre Wahrnehmung und Erfahrung, ihre Fantasie und Kreativität im Spiel ausdrucksvoll einsetzten.
Im dritten Schuljahr führte ich eine Unterrichtseinheit zu den so genannten Fermi-Problemen durch. Die Schüler sollten einen Zugang zu geöffneten Sachsituationen erreichen und Lösungsstrategien entwickeln. Mit dem Einsatz von Fermi-Aufgaben erschlossen sie einen Bereich der Sachaufgaben ohne Zahlen. Die Kinder entwickelten in der Unterrichtseinheit Strategien im Umgang mit Fermi-Problemen. Im Lösungsprozess war es besonders wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler auch Umwege gingen und sich als falsch herausstellende Hypothesen überwanden. Der Bearbeitungsprozess der Fermi-Aufgaben stand durchgängig in einem Spannungsfeld zwischen der Sache und der Mathematik. Der Rückgriff auf ihre individuellen Erfahrungen war für die Kinder dabei von besonderer Bedeutung.
In den Wochen vor Ostern führten Kerstin Wilder und ich mit der 1. und 2. Klasse eine Einheit zum Thema „Passion und Ostern – Der Weg durchs Leiden zum Neubeginn“ durch. Jeweils dienstags trafen wir uns drei Mal zu dieser Form des jahrgangsübergreifenden Unterrichts. Wir begannen immer mit einem gemeinsamen Lied und brachten anschließend viele Elemente des Bewegten Religions-unterrichts ein. In den einzelnen Unterrichtsphasen haben wir uns mit der Anleitung abgewechselt und uns zu jeder Zeit ergänzt. So haben wir beispielsweise Jesus beim Einzug in Jerusalem gemeinsam den Weg bereitet, ihm gebastelte Palmwedel zu Füßen gelegt und ihm kräftig zugejubelt. Dies bereitete den Kindern sehr viel Spaß, sodass sie sich mit vollem Eifer in die Bewohner Jerusalems und deren Freude über die Ankunft Jesu hineinversetzen konnten.
Neben vorgegebenen Aufgaben wie beispielsweise der Frage, wie viele Autos in einem Stau auf der A1 zwischen Oldenburg und Lensahn stehen, entwickelten sie selbst interessante Fragen, wie z.B. „Wie viele Bananen essen Affen pro Jahr?“ (Milan und Ole), „Wie viele Mäuse passen in unseren Klassenraum?“ (Jasmin und Tessa), „Wie viele Rechenaufgaben hast du schon in deinem ganzen Leben gelöst?“,... Die Kinder fanden zahlreiche interessante Fragestellungen, die anschließend bearbeitet wurden.
Interessant empfand ich im Anschluss an die Bearbeitung der Aufgaben, dass einige Schülerinnen und Schüler meinten, sie hätten nicht so viel gelernt. Sie haben ja nur eine Aufgabe in zwei Stunden bearbeitet. Dies zeigte mir, dass Kinder ihren eigenen Lernzuwachs manchmal nur schwer reflektieren können. Für sie zählte vielmehr die Menge der Aufgaben und nicht die Intensität, mit der sie sich Problemen zuwendeten.
Klassenfahrt der 3. Klasse nach Kalifornien
Ein besonderer Höhepunkt während meiner Ausbildungszeit in Göhl war die Klassenfahrt der 3. Klasse nach Kalifornien bei Schönberg an der Ostsee vom 30. Juni bis zum 4. Juli 2008. Ich wurde bereits im Vorfeld mit in die Planung der Klassenfahrt eingebunden. Die Fahrt selbst hat mir sehr viel Spaß gemacht. Neben den vielen Erlebnissen und Ausflügen (Bernstein schleifen, Keschern in der Ostsee, Kutterfahrt, Meeresbiologische Station,...) konnte ich die Kinder, die ich nun beinahe zwei Jahre im Unterricht erlebt habe, auf eine ganz andere Art kennen lernen.
 
Am Strand von Kalifornien
Nicht zuletzt sehe ich diese Zeit als einen tollen Abschluss einer erfahrungs- und lehrreichen Ausbildungszeit mit meiner Ausbildungslehrkraft Barbara Peters und der Klasse, in der ich überwiegend unterrichtete, an.
 
In den vielen Modulen während meiner Ausbildung und durch Hospitationen bei meiner Ausbildungslehrkraft und Kollegen habe ich zahlreiche Anregungen für die Entwicklung meiner Lehrerpersönlichkeit, für den Einsatz von Regeln, Ritualen und Methoden, für die Unterrichtsvorbereitung und –durchführung, für die Herstellung und Nutzung von Materialien und für vieles mehr bekommen. In jeder Hospitationsstunde konnte ich Ideen für mich und meinen Unterricht aufnehmen oder so ummodellieren, dass sie zu mir passten.
Gewinnbringend waren für mich die regelmäßigen Unterrichtsbesuche der Schulleiterin Bettina Böhme, des regionalen Netzwerkes, sowie die wöchentlichen Anleitungsstunden und Unterrichtsreflexionen mit meiner Ausbildungslehrkraft Barbara Peters. Ich bekam immer viele Anregungen, wie ich meine Lehrerpersönlichkeit und meinen Unterricht weiter optimieren kann. Aber auch Lob und Anerkennung zeigten mir nicht selten Stärken auf, die ich an mir noch gar nicht entdeckt hatte.
Einen großen Dank spreche ich nun all denen aus, die mich während meiner Ausbildungszeit tatkräftig unterstützt haben. Danke an meine Ausbildungs-lehrkraft Barbara Peters, an das Kollegium mit Karin Gudd, Kerstin Wilder, Ellen Zube und der Schulleiterin Bettina Böhme, an das Schulteam mit Anke Borchers, Herrn und Frau Becker, Petra Lagotzki und Achim Peters und natürlich an alle Schülerinnen und Schüler der Grundschule Göhl. Ihr alle habt dazu beigetragen, dass diese Zeit für mich unvergesslich bleiben wird.
 
Fenster schließen